Logo Created with Sketch. SCHUMANN

Deutschland und globale Lieferketten: Wie der Iran-Krieg Energiepreise & Industrie bedroht

Der Iran-Krieg zeigt eindrucksvoll, wie abhängig Deutschland von globalen Lieferketten und Rohstoffimporten ist. Dieses Video erklärt, warum der Ruf nach staatlichen Eingriffen nicht zielführend ist, welche langfristigen Folgen für energieintensive Industrien in Deutschland drohen und warum Produktionsverlagerungen ins Ausland zunehmend wahrscheinlich sind.
SCHUMANN Insights, Videos
, Prof. Dr. Matthias Schumann

Deutschland abhängig von globalen Lieferketten

Der Iran-Krieg verdeutlicht wieder einmal wie verletzlich die deutsche Wirtschaft ist. Rohstoff- und energiearm sind wir den Veränderungen des Weltmarktes ausgesetzt. Weniger Rohöl und Gas durch die Iranische Blockade der Straße von Hormus führt bei konstanter Nachfrage aber knapperem Angebot auf dem Weltmarkt zwangsläufig zu höheren Preisen.  Gleiches gilt für Düngemittel. Der Ruf nach einem eingreifenden Staat ist dabei fehl am Platz. Das ist typische Marktwirtschaft. Mittelfristig werden sich Akteure finden, die die fehlenden Mengen durch Produktionserhöhungen ausgleichen, da für sie temporär höhere Gewinnmargen zu erzielen sind. Durch Produktionsausweitung der Akteure wird der Preis aber wieder sinken. Der Staat hat fixe Steuerkomponenten auf die Spritpreise, einzig die Mehrwertsteuer spült zusätzliches Geld in die Staatskassen, wenn die Weltmarktpreise für Rohöl steigen. 

Auswirkungen auf den Energiemarkt

Nun hat für Deutschland mit großer Rohstoffabhängigkeit dieser Bereich massive Auswirkungen auf den Energiemarkt. Hier können, wenn keine langfristigen Verträge vorliegen, Preisanstiege erwartet werden, auch bei Strompreisen. Das wird mittelfristig energieintensive Industrien deshalb treffen, weil damit die Kosten für die benötigte Energie höher sind, als dieses z. B. in China oder den USA, aber auch in anderen Ländern der Fall ist. Auch wenn wir bei der nachhaltigen Energieerzeugung ohne Atomkraft recht weit sind, ist dieses doch im Weltvergleich teuer, nur durch feste Einspeisevergütungen rechnet sich z. B. zumeist die Installation von PV-Anlagen. Bei Marktpreisen oder Strombörsenpreisen wäre dieses eher nicht der Fall. Da wir sehr schnell Atomkraft abgeschafft haben, gibt es jetzt einen ungünstigen Strompreismix. Den einzelnen Haushalt tangiert dieses in der zur Verfügung stehenden Kaufkraft, die unter hohen Energiekosten leidet oder Haushalte müssen vom Staat bezuschusst werden. Für Unternehmen ist dieses ein doppeltes Problem, da sie in der Welt des globalen Handels sich an Kosten des Weltmarktes messen lassen müssen. Für energieintensive Unternehmen ist es damit wenig attraktiv, ihre Produkte in Deutschland zu erzeugen, wo auch schon vor dem Iran-Krieg die Energiekosten pro kwh in den USA oder China ca. 3 ct günstiger als bei uns waren. Im Ausland wird günstiger produziert und die Produkte können zu günstigeren Preisen verkauft werden. Einführzölle, wie von Herrn Trump so geliebt, helfen nicht, sie erzeugen weitere Kollateralschäden. Das bedeutet, dass bei energieintensiven Produkten langfristig in Deutschland hergestellte Waren nur dann nachgefragt werden, wenn es sich um Hochtechnologie mit viel Know how handelt, welches schwer zu imitieren ist. Aber auch da hat sich der weltweite Abstand verringert, wie sich z. B. im Maschinenbau zeigt. Selbst Carbon-Fahrradrahmen werden mittlerweile in Bangladesh gefertigt. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Abwanderung energieintensiver Industrien

Produktionsstandorte energieintensiver Industrien in Deutschland werden langfristig abwandern. Dazu kann man sicherlich die Stahl- und Chemieindustrie rechnen. Zu fragen ist, ob dabei auch Sparten vorhanden sind, die aus übergeordneter Perspektive standortkritisch sind und daher unbedingt im Land gehalten werden müssen. Ist dieses der Fall, dann müssten dazu staatliche Subventionen greifen. Abwandern bedeutet dabei nicht unbedingt, dass deutsche Unternehmen ihr Know how nicht mehr in die Produktion einbringen, sie verlagern die Produktion ins Ausland. Arbeitsplätze gehen allerdings verloren und damit auch Steuereinnahmen. Parallel muss auch beachtet werden, dass die arbeitende Bevölkerung aufgrund der Demografie schrumpft.

Es bedarf damit langfristig eines industriellen Umbaus. Dieses wird deutlich bei Zulieferbetrieben, die vom Automobil in die Rüstung schwenken.  Ziel müssen daneben neue Produkte und Dienstleistungen sein, z. B. solche, bei denen Nachhaltigkeits-Know how benötigt wird, Drohnen und Satelliten für zivile Zwecke eingesetzt werden oder neue Nahrungsmittel oder Quantentechnologie eine wichtige Rolle spielen können. 

Bei der Beurteilung von Branchen ist damit zu beachten, wie die jeweiligen Zukunftserwartungen beurteilt werden können, mit Effekten auch für die dort tätigen Unternehmen.