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Insolvenzentwicklung in Deutschland in 2024

Im Jahr 2023 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Wie werden sich die Insolvenzen in 2024 entwickeln? Welche Faktoren treiben die Insolvenzen an und wie können sie eingedämmt werden? Lesen Sie mehr in SCHUMANN Insights.
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19.01.2024, Prof. Dr. Matthias Schumann

Wie entwickeln sich die Unternehmensinsolvenzen in 2024?

Im Jahr 2023 gab es eine deutlich gesteigerte Zahl insolventer Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr. Was erwartet uns nun im Jahr 2024?

Nach einem vergleichsweise stabilen Zeitraum in den 2000er Jahren hat sich die Zahl der Insolvenzen in Deutschland in den letzten Jahren wieder erhöht. Wir lagen bei teilweise über 25.000, davon waren wir 2023 mit ca. 18.100 Fällen noch weit entfernt. Nun wird es in verschiedenen Branchen weiter eng – je nach Branche werden die nationale und internationale Konjunktur sowie aufgrund der Kriegssituationen mit entsprechenden Sanktionen volatilen wirtschaftlichen Entwicklungen als Gründe genannt.

Die Insolvenzen von Start-ups haben im vergangenen Jahr in Deutschland mit über 200 eine deutliche Steigerung erfahren. Kapitalgeber schauen in unsicheren Zeiten genau hin, ob sie wirklich bereit sind in Risiken zu investieren. Daneben werden Marktchancen neu bewertet.

Galeria Kaufhof: Ein exemplarisches Beispiel

Betrachtet man die deutsche Perspektive etwas genauer, so findet man doch viele Ansatzpunkte, die hausgemacht sind. Zum Teil wird insbesondere die neuerliche Insolvenz von Galeria Kaufhof medienwirksam diskutiert, vor dem Hintergrund des drohenden Verlustes von ca. 15.000 Arbeitsplätzen und von Handelskapazitäten in unseren Innenstädten. Wenn man diese Insolvenz rein als Folgeinsolvenz des Signa Imperiums und des dort gelebten Geschäftsgebarens versteht, dann greift dieses sicherlich zu kurz. Zweimalige Rettungsversuche sind gescheitert. Bundesmittel waren noch nie ein gutes Sanierungsinstrument.

Selbst wenn die gezahlten Standortmieten teilweise zu hoch sind, sollte man kritisch hinterfragen, ob in Zeiten des E-Commerce das klassische Warenhaus-Geschäftsmodell noch wettbewerbsfähig ist. Das breite Produktangebot unterschiedlicher Segmente, teure Innenstadtlagen und vergleichsweise viel Personal machen den Einkauf für den Konsumenten unattraktiv. Dies führt wiederum dazu, dass die mit diesem Modell verbundenen Kosten nicht an die Konsumenten weitergegeben werden können. Unsichere Zeiten führen zu Investitionszurückhaltung. Das spürt auch international z. B. der Maschinenbau.

Hochbau und Baubranche unter Druck

Ein weiterer Bereich, der immer stärker in den Fokus rückt, ist der Hochbau. Die Zinsen sind zwar wieder etwas gefallen, aber im Vergleich zur 0-Zins-Situation, die sich in den Preisniveaus niedergeschlagen hat, deutlich gestiegen. Dazu kommen immer höhere Anforderungen an nachhaltiges und energieeffizientes Bauen sowie bürokratisch lange Genehmigungsverfahren. Auch Materialpreissteigerungen durch steigende Energiepreise haben die Baupreise so stark in die Höhe getrieben, dass sich selbst bei drastischen Mietpreissteigerungen der Neuwohnungsbau für Investoren nicht mehr rentiert. Die Folge werden Überkapazitäten in der Baubranche sein. Diese Auswirkungen werden sich insbesondere im Ausbaugewerbe bemerkbar machen und in Zukunft auch im Bereich des Handwerks spürbar sein.

Herausforderungen in der Arbeitswelt

Wir haben, das führt die Politik häufig an, zurzeit noch eine extrem hohe Beschäftigung in Deutschland, bei gleichzeitig großen Bedarf an Arbeitnehmern in vielen Bereichen. Hier gelingt es aufgrund von Reglementierungen bei der Migration und den hohen Sozialleistungen (Bürgergeld) nicht, weiteres Beschäftigungspotential zu mobilisieren. Kurzarbeitergeld hat dafür gesorgt, dass wir mit hoher Beschäftigung durch die Corona-Pandemie gekommen sind, erst einmal positiv für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die lange Dauer dieser Hilfen hat aber sicherlich auch dazu beigetragen, dass notwendige Anpassungen in den Unternehmen nicht rechtzeitig angegangen worden sind. Zumindest die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet darunter – Spätfolgen sind nicht ausgeschlossen.

Subventionen und ihre Folgen

So sehr Subventionen dazu dienen können, gewollte Entwicklungen anzuschieben, so sehr muss man dann auch aufpassen, dass dieses nicht zu einer Daueraufgabe wird. In der Tendenz verhindern oder reduzieren diese Mittel die Suche nach Effizienzvorteilen – das Erschließen von erhöhter Produktivität und Kostensenkungen. Offenbar sind E-Autos weniger komplex als Verbrennungsfahrzeuge. Das müsste, mit Ausnahme von der Batterietechnologie, sich in den Produktionskosten niederschlagen. Nun wurde auch der Kauf von E-Fahrzeugen massiv gefördert. Offensichtlich übernehmen nun einige Autohersteller diese Förderanteile in die eigene Preisstellung, um den Absatz zu halten. Auch dieses geht eigentlich mittel- und langfristig nur, wenn durch diese Subventionierung des Staates ein nicht unerheblicher Deckungsbeitragspuffer für jedes verkaufte Fahrzeug aufgebaut wurde.

Herausforderungen und Chancen für verschiedene Branchen im Kontext steigender Energiepreise und regulatorischer Maßnahmen

Schließlich müssen wir die energiepreisintensiven Stahl-, papier- oder chemischen Industrien betrachten. Die komplexen Strompreise mit unterschiedlichsten Steuern und Rückvergütungen führen im internationalen Vergleich zu Wettbewerbsnachteilen und Abwanderungsdiskussionen.

Als letztes Beispiel das Hotel- und Gastgewerbe. Hier laufen die Preise durch Kostensteigerungen bei Energie, den Löhnen und den Lebensmitteln davon. Schließungen sind vorprogrammiert, diese werden aber in Teilen still und leise passieren und nicht in den Insolvenzstatistiken erscheinen.

Gleichwohl sollten wir auch die Branchen mit Potential in Betracht ziehen. Wir sollten aufhören, die Regelungsdichte weiter zu erhöhen und bei Subventionen zurückhaltend sein. Zudem sollten wir den Mut haben, Steuervereinfachungen anzustreben. Wenn wir diese Schritte unternehmen, können wir optimistisch in die Zukunft blicken, insbesondere in Bezug auf gut aufgestellte Unternehmen.

Des Weiteren sollten wir die aktuelle Situation relativieren. Im Vergleich zu den hohen Insolvenzzahlen zur Jahrtausendwende sind wir noch weit entfernt.

Über den Autor
Prof. Dr. Matthias Schumann

Seit 1991 hat Prof. Dr. Matthias Schumann eine Professur für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik (Professur für Anwendungssysteme und E-Business) an der Universität Göttingen inne. Er leitet auch das gemeinsame Rechenzentrum der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und der Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
Er ist Gesellschafter der Prof. Schumann GmbH.

In der Forschung beschäftigt sich Prof. Schumann unter anderem mit Informationssystemen bei Finanzdienstleistern und Systemen zum Kreditmanagement sowie Fragen zum Wissens- und Bildungsmanagement. Prof. Schumann verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Beratung von Unternehmen, umfangreiche Vortragstätigkeiten und über mehr als 350 Veröffentlichungen.

Universität Göttingen

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