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Wie wird das Jahr 2026 für das Kreditmanagement?

Steigende Insolvenzen, geopolitische Spannungen, strukturelle Schwächen – das Kreditmanagement bleibt auch 2026 gefordert. Trotz vorsichtiger Wachstumsprognosen wird das kommende Jahr kein Selbstläufer. Liquidität, Risikotransparenz und enge Zusammenarbeit mit dem Vertrieb werden entscheidend sein.
SCHUMANN Insights
, Prof. Dr. Matthias Schumann

Wie wird das Jahr 2026 für das Kreditmanagement?

Steigende Insolvenzen, geopolitische Spannungen, strukturelle Schwächen – das Kreditmanagement bleibt auch 2026 gefordert. Trotz vorsichtiger Wachstumsprognosen wird das kommende Jahr kein Selbstläufer. Liquidität, Risikotransparenz und enge Zusammenarbeit mit dem Vertrieb werden entscheidend sein.

Insolvenzzahlen und wirtschaftliche Ausgangslage

Im vergangenen Jahr waren in Deutschland die Insolvenzzahlen so hoch wie das letzte Mal 2014. Die finanziellen Verluste aus Unternehmensinsolvenzen bewegen sich ebenfalls auf sehr hohem Niveau, vergleichbar mit 2024. Wie sieht es nun für 2026 aus?

Geopolitische Unsicherheiten

An den Krisen unserer Welt hat sich nichts verändert. Durch die US-Aktivitäten in Venezuela ist die Situation wahrscheinlich sogar noch komplexer geworden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situationen in Palästina oder auch dem Iran entwickeln.

Wachstumserwartungen für 2026

Nach Jahren ohne Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland erwarten die Wirtschaftsinstitute für 2026 zwar ein kleines Wachstum zwischen 1,0 und 1,5 Prozent, wir werden sehen, wie sich das auf die einzelnen Branchen auswirkt.

Fachkräftemangel und demografischer Wandel

Im vielen Bereichen fehlen Fachkräfte. Das wird sich nur mittelfristig und durch qualifizierte Einwanderung lösen lassen. Hinzu kommt das Ausscheiden der Babyboomer. Auch die KI wird dazu in vielen Gebieten durch Effizienzsteigerungen keine Lösung bieten, z. B. im Handwerk.

Wettbewerbsfähigkeit und strukturelle Herausforderungen

In vielen industriellen Bereichen sind unsere Produkte aufgrund des Lohnniveaus und der Energiepreise für den internationalen Markt zu teuer. Dazu kommen die preistreibenden Importzölle. Auch Rohstoff-, Batterie- und Halbleiterabhängigkeiten lassen sich nicht kurzfristig reduzieren. Ebenso gilt es, unsere Infrastruktur zu modernisieren. Auch das kostet Zeit.

Bürokratie als Belastungsfaktor

Aufwändige Genehmigungen und Bürokratie sind ein großes Hemmnis. Untersuchungen zeigen, dass die Unternehmen in Deutschland allein zur Bürokratiebewältigung in den vergangenen drei Jahren ca. 325.000 Arbeitskräfte eingestellt haben. Das treibt die Overheadkosten, ganz besonders bei Klein- und Mittelständischen Unternehmen. Und hier zeigt sich, dass offenbar gerade in der EU an weiteren bürokratischen Hürden gebastelt wird. Hier Einhalt zu gebieten, ist kein kurzfristiger Prozess. Es gilt, im Bund, bei den Ländern und den Kommunen Abbau zu betreiben.

Bauwirtschaft und Sondervermögen

Die 500 Mrd. Euro Sondervermögen werden auch nur zu ca. 60 bis 70 Prozent investiv eingesetzt werden. Da wird sicherlich der Infrastrukturbau, sprich Tiefbau, profitieren. Im Hochbau gibt es zwar inzwischen im Vergleich zu 2023 mehr Baugenehmigungen, ebenso wird ein auf geringeren Standards fußender Gebäudetyp E diskutiert, gleichwohl gibt es weiterhin viele lokale Fallstricke. Die Quadratmeterpreise für Neubauten bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau, die dieses für Investoren aufgrund der Renditeerwartungen unattraktiv machen. In 2026 wird es wohl kaum Verbesserungen geben.

Industrie und Transformation

Die Automobil- und insbes. Zulieferindustrie wird weiterhin einen Transformationsprozess durchlaufen. Wer da für die Rüstung zuliefern kann, wird besser dran sein.

Aufgrund der Flaute in den Bereichen Automotive und Bau wird auch der nationale Stahlhandel keine großen Umsatzgewinne erwarten können. Wird man generell für internationalen Absatz die Zollprobleme in den Griff bekommen, dann könnte sich zumindest der Maschinenbau erholen, national wenn Zukunftsaussichten positiver gesehen werden und bessere Abschreibungsmöglichkeiten entstehen. Auch im Chemie- und Pharma-Bereich wird sich nach der Abschwächung eine Konsolidierung einstellen. Problematisch erscheint aber immer noch die Kostendeckung in der Gesundheitsversorgung. Die Dienstleistungsbranchen werden unsere Wirtschaft stützen.

Internationale Perspektiven

International werden weiterhin die Lieferketten zu beachten sein. Die geopolitischen Spannungen werden dabei für weitere Unruhe sorgen. Falls es doch noch gelingen sollte, das Mercosur-Abkommen zu unterschreiben, könnte dieses neue Chancen auf den Südamerikanischen Märkten eröffnen.

Konsequenzen für das Kreditmanagement

Das Geschäftsjahr 2026 wird sicherlich nicht einfacher als das vergangene Jahr. Für das Kreditmanagement zählt damit weiterhin: ausreichende Liquidität der Kunden ist das Maß der Dinge. Gibt es einen positiven Cash Flow? Zahlen die Bestandskunden konstant und unauffällig? Wo gibt es Strukturbrüche? Es gilt also weiterhin besondere Vorsicht walten zu lassen, aber auch in den heutigen Zeiten Chancen gemeinsam mit dem Vertrieb zu nutzen. So können wir insgesamt gedämpft positiv in das Jahr 2026 schauen.

Fazit: Vorsicht und Chancen im Gleichgewicht

Das Geschäftsjahr 2026 wird kaum einfacher als das vergangene. Für das Kreditmanagement gilt daher weiterhin:

  • Liquidität der Kunden bleibt entscheidend
  • Positiver Cashflow ist das zentrale Kriterium
  • Zahlungsverhalten von Bestandskunden genau beobachten
  • Strukturbrüche frühzeitig erkennen

Besondere Vorsicht ist weiterhin geboten. Gleichzeitig sollten Chancen gemeinsam mit dem Vertrieb aktiv genutzt werden.

Insgesamt lässt sich damit vorsichtig und gedämpft positiv auf das Jahr 2026 blicken – mit klarem Fokus auf Risikotransparenz, Liquiditätssicherung und strategische Zusammenarbeit.