Wie beeinflussen die Zinsen unsere wirtschaftliche Entwicklung?
Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt bei 2,4 Prozent. Das ist der Zinssatz, zu dem Banken bei der EZB Geld leihen können. Wollen sich Investoren bei einer Bank für den Hausbau Geld leihen, dann liegt der Bauzinssatz bei ca. 4 Prozent. Brauchen Unternehmen Kredite, z. B. um ihre Lieferantenkredite zu finanzieren, dann liegen die Zinsen zwischen 6 und 7,4 Prozent. Und die hohe Verschuldung der USA führt zu hohen Zinsen bei den Staatsanleihen. Dieses treibt wohlmöglich den Zinssatz weiter.
Zinsen, Inflation und globale Einflussfaktoren
Nun versuchen traditionell die Zentralbanken die Inflation über den Zentralbankzinssatz zu beeinflussen. Die Idee dabei ist folgende: Um Inflation zu reduzieren müssen Leitzinssätze steigen. Damit wird Nachfrage reduziert, Konsum fällt, damit auch Preise, Unternehmen investieren weniger, damit gibt es auch dort keine weiteren Preissteigerungen und durch Reduktion der Preissteigerungen und damit der Inflation fallen auch die Lohnabschlüsse gemäßigt aus. Inflation führt auch dazu, dass langfristig der reale Wert von vorhandenen Schulden sinkt. Nun funktioniert der grundsätzlich skizzierte Zusammenhang nur, wenn eine insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung vorhanden ist und keine globalen Einflüsse die Inflation beeinflussen.
Bei uns wird die Inflation durch externe Einflüsse geprägt. Knappe, importierte Energie treibt die Preise, die globalen Krisen mit global vernetzten Lieferketten führen zu knapperen und teureren Importen. Dazu tragen auch die Zölle bei. Als Konsequenz steigen die Löhne, um Kaufkraft zu erhalten, damit auch die Sozialabgaben. Unternehmen sind stark belastet. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Hinzu kommt ein Investitionsstau, der mit hohen Zinsen weiter gefördert wird. Bei geringem EBIT werden Überschüsse lieber gespart als investiert.
Hohe Finanzierungskosten belasten den Wohnungsbau
Der derzeitige Zinssatz führt im Baubereich dazu, dass beim Auslaufen von langfristigen Kreditverträgen, die ja zumeist unter zwei Prozent lagen, bei der Refinanzierung deutlich mehr zu zahlen ist. Besonders schmerzhalft ist dieses, wenn zuvor der Tilgungssatz gering war. Umgekehrt ist das bei Bauinvestitionen zu berücksichtigen. Geht man bei Neubauvorhaben z. B. von einem Quadratmeterpreis von ca. 4.000 Euro aus und rechnet mit 25 Prozent Eigenkapitalanteil, dann fallen bei 4 Prozent Zinsen auf 3000 Euro pro Jahr 120 Euro Zinsen an. Das sind pro Monat 10 Euro, die über die Miete refinanziert werden müssen. Dieses zeigt das Dilemma. Entweder müssen die Baukosten runter oder es müssen massive Förderungen oder Steuererleichterungen her, um den bezahlbaren Wohnraum zu bauen.
Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit unter Druck
Wir sehen darüber hinaus, wie teuer Unternehmenskredite sind. Durch eine schlechtere wirtschaftliche Situation von Unternehmen kommt es auch zur Reduktion von Firmenratings, mit der Folge höherer Zinsen. Wird der Lieferantenkredit über Fremdkapital finanziert, dann zeigt dieses, wie teuer für Unternehmen die Finanzierung längerer Zahlungsziele ist. Gleiches gilt bei finanzierten Investitionen, die notwendig sind, um international wettbewerbsfähig zu sein. Zu berücksichtigen ist dabei auch der internationale Preisdruck. Damit werden Investitionen in vielen Bereichen nur attraktiv, wenn bessere Abschreibungsmöglichkeiten oder Steuererleichterungen insgesamt geschaffen werden. Natürlich wären auch sinkende Zinsen ein wirkungsvolles Mittel Investitionen anzuregen. Dem stehen aber z. Zt. die globalen Entwicklungen entgegen. In der Breite höhere Staatsverschuldungen sind zu berücksichtigen. Das zeigt auch, warum es für viele Unternehmen so wichtig ist, effizienter zu werden, um damit einen bessern EBIT zu erreichen und darüber Investitionen anzustoßen.
Insofern müssen insbes. die Unternehmen für Neuinvestitionen auf Erfolg und positive Erwartungen in ihre Absatzmärkte setzen. Die staatlichen Investitionen könnten hier in bestimmten Bereichen einen ersten Impuls setzen, aber nicht dauerhaft wirken.